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Bemessung aktiver und passiver Anker in Solingen – Erfahrung aus dem Bergischen Land

Gemeinsam lösen wir die Herausforderungen von morgen.

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Solingen, mit rund 160.000 Einwohnern auf einem stark reliefierten Gelände zwischen 80 und 276 Metern Höhe gelegen, stellt besondere Anforderungen an die Baugrubensicherung. Die Hangneigung im Bergischen Land zwingt dazu, schon bei kleineren Bauvorhaben über rückverankerte Systeme nachzudenken. In unserer täglichen Arbeit sehen wir, dass pauschale Standardlösungen hier selten funktionieren. Die Kombination aus verwittertem Tonschiefer, Hangwasser und beengten innerstädtischen Grundstücken erfordert eine präzise Bemessung von Stützmauern und Ankersystemen, die genau auf die lokale Geologie abgestimmt ist. Bevor wir einen Anker dimensionieren, klären wir mit einer SPT-Bohrung den tatsächlichen Verwitterungsgrad des anstehenden Felses – ein entscheidender Faktor für die Mantelreibung.

Ein vorgespanntes Ankersystem im Solinger Schiefer muss den Spagat zwischen hoher Mantelreibung und sprödem Bruchverhalten meistern – das ist die Kernaufgabe der Bemessung.

Methodik und Umfang

Die aktive oder passive Verankerungsbemessung in Solingen folgt dem Nachweiskonzept des Eurocode 7 (DIN EN 1997-1) in Verbindung mit DIN 1054. Das klingt erstmal trocken, ist aber essentiell: In der Klingenstadt haben wir es oft mit inhomogenen Böden zu tun, wo eine rein rechnerische Annahme des Reibungswinkels nicht ausreicht. Wir kombinieren die rechnerische Standsicherheit daher stets mit Ergebnissen aus dem Korngrößenanalyse, um den Feinkornanteil im Verwitterungshorizont zu bestimmen. Dieser steuert maßgeblich das Kriechverhalten unter Dauerlast. Für aktive Anker mit Vorspannung bestimmen wir Kriechmaß und Festlegekraft, bei passiven Ankern konzentriert sich die Arbeit auf die Übertragung der charakteristischen Einwirkungen in den tieferen, unverwitterten Untergrund. Entscheidend ist die Kontrolle der freien Stahllänge, damit die Krafteinleitung nicht in einer potenziellen Gleitfuge endet.
Bemessung aktiver und passiver Anker in Solingen – Erfahrung aus dem Bergischen Land
Technisches Referenzbild — Solingen

Standortspezifische Faktoren

Die bauliche Entwicklung Solingens verlief entlang der Wupper und der Seitentäler, was historisch zu einer dichten Bebauung an Steilhängen führte. Das größte Risiko bei der Ankerbemessung liegt hier nicht in der reinen Zugkraft, sondern in der unerkannten lateralen Belastung durch Kriechhänge. Der Tonschiefer neigt bei Wasserzutritt zum Aufweichen, wodurch die Mantelreibung schlagartig abfallen kann. Wir sehen es oft: Ein rechnerisch korrekt bemessener Anker versagt, weil die Hangentwässerung nicht gelöst wurde. Deshalb integrieren wir in unsere Bemessung stets ein hydrogeologisches Konzept. Ein weiteres Problem sind die engen Platzverhältnisse – eine Bohrung, die unterhalb der Nachbarbebauung verläuft, muss auf Duktilität ausgelegt sein, um unplanmäßige Verformungen ohne Stahlversagen aufzunehmen.

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Typische Werte

ParameterTypischer Wert
NachweisverfahrenEC 7, GEO-3, BS-P (DIN 1054:2015)
Typische maximale PrüflastBis 1.000 kN (Eignungsprüfung)
Bohrdurchmesser Verpressanker100 – 200 mm
Mindestfreie Stahllänge≥ 5,0 m (aktive Anker)
KorrosionsschutzstufeKlasse I (DIN EN 1537)
Kriechmaß ks≤ 2,0 mm (Dauerlaststufe)

Zugehörige Fachleistungen

01

Geotechnische Vorerkundung und Bemessung

Aufnahme der Baugrubensituation, Erkundungsbohrungen zur Bestimmung des Verwitterungsgrads, Durchführung von Korngrößenanalysen zur Klassifizierung des Schiefers, Auswahl des Ankertyps (aktiv/passiv) und rechnerischer Nachweis der inneren und äußeren Standsicherheit.

02

Eignungs- und Abnahmeprüfungen

Durchführung der statischen und dynamischen Prüfungen gemäß DIN EN 1537. Dokumentation des Kriechverhaltens, Messprotokolle der freien Länge und Überwachung der Vorspannkraft. Unsere Prüfprotokolle sind DAkkS-akkreditierungsfähig.

Normativer Rahmen

DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN EN 1537:2013-08 (Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau – Verpressanker)

Fragen und Antworten

Wann brauche ich in Solingen einen aktiven und wann einen passiven Anker?

Bei verformungsarmen Nachbarbauwerken oder dauerhaften tiefen Baugruben setzen wir aktive, vorgespannte Anker ein, um Verschiebungen im Millimeterbereich zu halten. Passive Anker – oft als Bodennägel ausgeführt – nutzen wir für temporäre Böschungssicherungen, wenn geringe Verformungen zulässig sind und der Fels früh genug ansteht, um eine ausreichende Verbundspannung zu mobilisieren.

Wie tief müssen die Anker im Solinger Schiefer verankert werden?

Das hängt von der Geometrie der potenziellen Gleitfuge ab. Die Krafteinleitung muss mindestens 3 Meter hinter dem rechnerischen Gleitkörper im unverwitterten Fels liegen. Im stark verwitterten Obersolinger Schiefer kann das bedeuten, dass die Verankerungsstrecke erst ab 8 bis 12 Metern Tiefe beginnt. Wir bestimmen die genaue Lage durch Kernbohrungen und Drucksondierungen vor der Bemessung.

Mit welchen Kosten muss ich für die Bemessung und Prüfung einer Verankerung rechnen?

Für eine vollständige Bearbeitung – von der ersten Erkundungsbohrung über die statische Bemessung bis zur Eignungsprüfung eines Ankers – liegen die Kosten im Raum Solingen in einer typischen Spanne zwischen 980 und 3.840 Euro. Die Varianz ergibt sich aus der Zugänglichkeit des Geländes, der erforderlichen Prüflast und dem Umfang der vorlaufenden Bodenuntersuchungen.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Solingen und Umgebung.

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