Die Klingenstadt Solingen liegt am Rand des Rheinischen Schiefergebirges. Der Übergang von den devonischen Festgesteinen der Bergischen Hochflächen zu den quartären Lockersedimenten der Rheinterrassen erzeugt einen geologisch komplexen Untergrund. Diese Wechsellagerung ist der Grund, warum die DIN EN 1998-1/NA in Verbindung mit dem nationalen Anhang für Solingen keine pauschalen Spektralwerte akzeptiert, sondern eine standortspezifische seismische Mikrozonierung fordert. Die Baugrundklasse wechselt hier auf kurzer Distanz zwischen Fels der Klasse A und tiefgründigen Verwitterungsböden der Klasse C. Unsere Untersuchungen kombinieren geophysikalische Feldmessungen mit der Korngrößenanalyse im Labor, um das dynamische Verhalten des Solinger Untergrunds präzise abzubilden. Für tiefgründige Aufschlüsse setzen wir die SPT-Bohrung ein, um die Scherwellengeschwindigkeit in den Lockersedimenten zu bestimmen.
Die Hanglagen Solingens können seismische Bodenbeschleunigungen lokal um das Drei- bis Vierfache verstärken – ein unterschätzter Faktor bei der Bauwerksauslegung.
Fragen und Antworten
Wann ist eine seismische Mikrozonierung in Solingen erforderlich?
Immer dann, wenn die Regelantwortspektren der DIN EN 1998-1/NA den Untergrund nicht zutreffend abbilden. Das ist in Solingen aufgrund der geologischen Heterogenität bei Bauwerken der Bedeutungskategorien III und IV sowie bei tiefgründigen Weichbodenschichten der Fall.
Welche Kosten entstehen für eine Mikrozonierung in Solingen?
Die Kosten liegen je nach Untersuchungsumfang und Anzahl der Messprofile zwischen 3.720 und 14.370 Euro. Ausschlaggebend sind die Anzahl der geophysikalischen Messlinien und der erforderlichen Aufschlüsse.
Wie lange dauert eine standortspezifische Gefährdungsanalyse?
Von der Feldmessung bis zum finalen Gutachten vergehen in der Regel drei bis fünf Wochen. Zwei Wochen entfallen auf die Laborversuche, eine weitere auf die numerische Modellierung und Berichterstellung.
Welchen Vorteil bietet ein standortspezifisches Spektrum gegenüber dem Regelspektrum?
Das Regelspektrum ist konservativ und kann zu einer Überdimensionierung des Tragwerks führen. Ein standortspezifisches Spektrum bildet die realen Untergrundverhältnisse ab, reduziert die Bemessungsbeschleunigungen oft um 20 bis 30 Prozent und ermöglicht eine wirtschaftlichere Bauweise.