In Solingen sehen wir immer wieder, dass die geologische Vielfalt der Region viele Bauherren überrascht. Die Stadt liegt nicht nur auf dem devonischen Massenkalk der Bergischen Hochflächen, sondern weist auch tiefgründige Verwitterungsböden und quartäre Talfüllungen entlang der Wupper und ihrer Nebenbäche auf. Gerade in den flussnahen Bereichen wie Ohligs oder Höhscheid treffen wir auf sandig-kiesige Ablagerungen mit hohem Grundwasserstand – eine Kombination, die bei seismischer Belastung das Potenzial für Bodenverflüssigung birgt. Eine reine Baugrunderkundung ohne Verflüssigungsanalyse greift hier zu kurz. Bevor die Gründung eines Mehrfamilienhauses oder einer Gewerbehalle geplant wird, empfehlen wir daher immer eine standortspezifische Untersuchung, die über die Standard-Erkundung nach DIN 4020 hinausgeht. In der Praxis kombinieren wir dafür die SPT-Bohrung zur Probenahme mit zyklischen Laborversuchen, um das tatsächliche Materialverhalten unter Erdbebenlast zu erfassen.
In den flussnahen Quartieren Solingens entscheidet oft der Feinkornanteil im Boden darüber, ob eine Gründung ohne aufwändige Baugrundverbesserung realisierbar ist.
Standortspezifische Faktoren
Für die Sondierungen in Solingen kommt meist ein schweres Raupengerät mit CPT-Spitze oder eine hydraulische Rammeinrichtung zum Einsatz – in den engen Hanglagen von Gräfrath oder Burg ist das Manövrieren mit Großgerät eine echte Herausforderung. Manche Grundstücke erreichen wir nur mit einem kompakteren, zerlegbaren SPT-Gestell, um den Eingriff in die Privatgärten so gering wie möglich zu halten. Die größte Gefahr sehen wir in Solingen bei unerkannten, locker gelagerten Terrassenkiesen unterhalb von bindigen Deckschichten. Wird bei der Planung eines Wohnhauses oder einer Stützmauer nur eine schwere Rammsondierung ausgeführt, kann das tragfähig erscheinende Material darunter völlig falsch eingeschätzt werden. Ein verflüssigter Horizont in 8 Metern Tiefe unter einem Streifenfundament führt im Erdbebenfall zu Setzungen, die kein Bauherr nachträglich wirtschaftlich sanieren kann. Wir empfehlen daher bei jeder Neubauplanung in den Talauebereichen der Wupper eine kombinierte Drucksondierung mit Laboranalyse, die von einem nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditierten Prüflabor begleitet wird.
Normativer Rahmen
DIN EN 1998-1:2010-12 (Eurocode 8: Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben – Grundlagen, Erdbebeneinwirkungen), DIN EN 1998-5:2010-12 mit NA 2021-07 (Gründungen, Stützbauwerke, geotechnische Aspekte), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke), DIN EN ISO 22475-1:2022-02 (Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Probenentnahme), DIN EN ISO 17892-Serie (Laborversuche an Bodenproben)
Fragen und Antworten
Ist in Solingen überhaupt mit starken Erdbeben zu rechnen?
Das Bergische Land liegt in der Erdbebenzone 1 mit geringer, aber nicht vernachlässigbarer Seismizität. Bereits moderate Erdbeben der Intensität VI–VII können bei locker gelagerten, wassergesättigten Sanden in der Wupperaue eine Verflüssigung auslösen. Die DIN EN 1998-5 fordert daher für Bauwerke der Bedeutungskategorien III und IV eine standortspezifische Überprüfung.
Welche Kosten entstehen für eine Bodenverflüssigungsanalyse?
Die Kosten für eine vollständige Analyse mit Felduntersuchung und Laborversuchen in Solingen liegen üblicherweise zwischen €2.390 und €3.280, abhängig von der Anzahl der Sondierpunkte und der Tiefe. Der Preis umfasst die CPT- oder SPT-Kampagne, zyklische Triaxialversuche im akkreditierten Labor und den geotechnischen Bericht mit Nachweisführung.
Ab welcher Tiefe muss der Boden auf Verflüssigung untersucht werden?
Nach DIN EN 1998-5 sind alle potenziell verflüssigungsfähigen Horizonte bis 20 m unter Geländeoberkante zu untersuchen. In Solingen beschränkt sich das Risiko meist auf die oberen 10 bis 15 Meter, da die tieferen devonischen Festgesteine kein Verflüssigungspotenzial aufweisen. Die exakte Tiefe legen wir im Rahmen des Baugrundmodells fest.