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MEHR ERFAHREN →In-Situ-Prüfungen bilden das Rückgrat einer jeden fundierten Baugrundbeurteilung. Anders als Laborversuche an entnommenen Proben erfassen diese Felduntersuchungen den Boden in seinem natürlichen, ungestörten Zustand. Gerade in einer topografisch bewegten Stadt wie Solingen, die durch Tallagen, Höhenrücken und geologisch junge Bachablagerungen geprägt ist, liefern direkte Messungen vor Ort unverzichtbare Kennwerte. Sie erlauben eine realitätsnahe Bewertung von Tragfähigkeit, Verdichtungsgrad und Durchlässigkeit des Untergrunds und minimieren das Risiko von späteren Setzungsschäden oder Vernässungsproblemen.
Die geologischen Verhältnisse in Solingen werden vom devonischen Massenkalk und den daraus entstandenen tonig-schluffigen Verwitterungsböden dominiert. Hinzu kommen quartäre Lösslehme auf den Hochflächen sowie Auenlehme und Bachschotter in den Siepen. Diese Wechsellagerung stellt Planer vor erhebliche Herausforderungen: Während die verwitterten Schiefer oft eine ausreichende Steifigkeit aufweisen, neigen die feinkörnigen Auffüllungen und Lehme zu Konsolidierungssetzungen. Ein Plattendruckversuch (PLT) ist hier das bevorzugte Mittel, um den Verformungsmodul und damit die Gebrauchstauglichkeit des Baugrunds direkt zu validieren.
Die normativen Grundlagen für In-Situ-Prüfungen in Deutschland sind klar definiert. Der Plattendruckversuch erfolgt nach DIN 18134, während die Felddichtebestimmung (Sandkegelverfahren) gemäß DIN 18125-2 durchgeführt wird. Für die Ermittlung der Wasserdurchlässigkeit in klüftigem Fels oder Lockergestein kommt der Felddurchlässigkeitsversuch (Lefranc/Lugeon) nach DIN EN ISO 22282 zum Einsatz. Diese Normen stellen die bundesweit anerkannte Qualitätssicherung dar und sind Voraussetzung für die Abnahme durch die kommunalen Tiefbauämter in Solingen.
Die Anwendungsbereiche sind vielfältig und reichen vom klassischen Wohnungs- und Gewerbebau über den Straßen- und Kanalbau bis hin zu Hangstabilisierungen. Bei der Erschließung neuer Baugebiete an den Hängen des Wupperengtals muss die Verdichtung von Anschüttungen zwingend mittels Sandkegelverfahren nachgewiesen werden. Im Tiefbau, insbesondere bei der Anlage von Regenrückhaltebecken oder Versickerungsanlagen, ist der Felddurchlässigkeitsversuch unerlässlich, um die Sickerfähigkeit des anstehenden Bodens exakt zu quantifizieren und Staunässe zu verhindern.
In-Situ-Prüfungen erfassen den Boden direkt vor Ort in seinem natürlichen Spannungszustand und Gefüge, ohne Probenentnahme und Transport. Laborversuche hingegen analysieren gestörte oder ungestörte Proben unter kontrollierten Bedingungen. Feldversuche liefern oft repräsentativere Kennwerte für das tatsächliche Baugrundverhalten, besonders bei heterogenen Böden wie in Solingen.
Für ein Einfamilienhaus sind in Solingen meist der Plattendruckversuch zur Prüfung der Tragfähigkeit des Baugrunds und der Nachweis der Verdichtung der Arbeitsraumverfüllung erforderlich. Abhängig von der Hanglage und dem Baugrundgutachten kann auch ein Durchlässigkeitsversuch zur Dimensionierung der Versickerungsanlage gefordert sein. Die genauen Anforderungen legt das Bodengutachten fest.
In den Tallagen Solingens sind oft weiche, setzungsempfindliche Auenlehme und anthropogene Auffüllungen anzutreffen. Der Plattendruckversuch misst direkt den Verformungsmodul des Untergrunds und deckt unzureichend tragfähige Schichten auf. So kann die Gründung sicher dimensioniert und spätere ungleichmäßige Setzungen am Bauwerk vermieden werden.
Ein Felddurchlässigkeitsversuch wie der Lefranc- oder Lugeon-Test ist immer dann zu empfehlen, wenn der Boden ein ausgeprägtes Makrogefüge, Klüfte oder Grobkornanteile aufweist, die in einer kleinen Laborprobe nicht repräsentativ erfasst werden. In Solingen betrifft dies vor allem die klüftigen Kalksteinverwitterungsböden und die Bachschotter, wo Laborwerte die tatsächliche Sickerleistung oft drastisch unterschätzen.